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Aktuell:

Zwei Jubiläen unter einem Dach

"Freie Altenarbeit Göttingen e.V." und "Eva Meurer Stiftung" feierten am 28.10.2016 gemeinsam ihre Geburtstage.

 

v.l.: Dr. Klaus-Peter Hermann (Stadt Göttingen), Thomas Oppermann (MdB), Regina Meyer (Demografiebeauftragte Landkreis Göttingen), Dr. Hartmut Wolter (Geschäftsführer Freie Altenarbeit Göttingen e.V.), Ute Schmidthals (Eva Meurer Stiftung), Michael Tihl (Beirat Freie Altenarbeit Göttingen e.V.) und Evelyn Tihl (stellv. Vorsitzende Vorstand Freie Altenarbeit Göttingen e.V.)

Am 28. Oktober 2016 konnte die Eva Meurer Stiftung ihr 20-jähriges Jubiläum begehen, dies gemeinsam
mit dem 30-jährigen der Freien Altenarbeit Göttingen, aus der wir ja hervorgegangen waren. Beide Institu-
tionen hatten ihre Aktivitäten im Rahmen eines bunten Programms in der „MUSA e.V.“ am Hagenweg
präsentiert. Die FAG war mit ihren vielfältigen laufenden Projekten vertreten, die EMS mit den wichtigsten
aus der Vergangenheit sowie den aktuell geförderten. Ein Höhepunkt und eine besondere Ehre zu diesem
Doppelgeburtstag war der Besuch von Thomas Oppermann (MdB), der sich alle dargebotenen Projekte
Am 28. Oktober 2016 konnte die Eva Meurer Stiftung ihr 20-jähriges Jubiläum begehen, dies gemeinsam mit dem 30-jährigen der Freien Altenarbeit Göttingen, aus der sie einst hervorgegangen war. Beide Institutionen hatten ihre Aktivitäten im Rahmen eines bunten Programms in der „MUSA e.V.“ am Hagenweg in Göttingen präsentiert. Die FAG war mit ihren vielfältigen laufenden Projekten vertreten, die EMS mit den wichtigsten aus der Vergangenheit sowie den aktuell geförderten. Ein Höhepunkt und eine besondere Ehre zu diesem Doppelgeburtstag war der Besuch von Thomas Oppermann (MdB). Ein buntes Unterhaltungsprogramm sowie eine Gemäldeauktion rahmten die Feier.

Ute Schmidthals (Kuratoriumsvorsitzende Eva Meurer Stiftung)

Jubiläum FAG / EMS – am 28. Oktober 2016 

Rede von Ute Schmidthals

Sehr geehrte Damen und Herren,

30 Jahre Freie Altenarbeit Göttingen, 20 Jahre Eva Meurer Stiftung, ein gemeinsames Jubiläum! Warum begehen wir diesen Geburtstag gemeinsam?

Die Eva Meurer Stiftung ist aus der Freien Altenarbeit hervorgegangen, waren doch die Gründerinnen der Stiftung Eva Meurer und Dr. Brigitte Richter in den Anfängen des Vereins, nämlich als es noch gar kein Verein war, bis zur Fertigstellung des Hauses im Jahr 1994, Ideengeberinnen und Initiatorinnen der „Alten-WG Am Goldgraben“, damals ein Modellprojekt des Landes Niedersachen und erstes dieser "Alternativen Wohnform". Beide Frauen gehörten mit dem charismatischen und ideenreichen Michael Jasper in der Konzeptionsphase und während des Umbaus der Villa Am Goldgraben zu den maßgeblichen Mitgestalterinnen der inneren und äußeren Ausrichtung des Gesamtkonzeptes. Sie waren konzeptionelle Inspiratorinnen für dieses Haus. Konsequenterweise waren sie dann zwei der ersten elf Bewohnerinnen der "Alten-WG". Bundesweite und öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit waren ihnen sicher.

Warum waren diese beiden Frauen so elektrisiert von der Idee einer für alte Menschen damals noch ungewöhnlichen Wohnform?

Später bekannt gewordene Schlagworte sind auch auf sie zurückzuführen, wie:

  • „Die Alltagsregie bleibt in den eigenen Händen.“
  • „Frei sein und nicht allein sein.“
  • „Eine Chance zu munterem bedürfnisgerechtem Altwerden und Altsein".“
  • „Nicht allein und nicht ins Heim.“

Eva Meurer und Dr. Brigitte Richter – beide geboren kurz vor dem 1. Weltkrieg – hatten noch die Unterdrückung von Frauenrechten in ihrer heute als selbstverständlich erachteten Form am eigenen Leibe erfahren. Sie verband eine Reihe von Gemeinsamkeiten, wie:

  • Sie wurden kurz vor dem 1. Weltkrieg geboren (1910 bzw. 1912)
  • Sie blieben unverheiratet.
  • Sie waren ihr Leben lang berufstätig, was zu damaliger Zeit noch ungewöhnlich war.
  • Sie waren in psychotherapeutischen Berufen tätig (Psychagogin bzw. Psychotherapeutin und Ethnologin).
  • Sie wurden durch die Nazizeit und den 2. Weltkrieg geprägt.
  • Sie erlebten den Aufbruch der 1968-er und die Frauenbewegung.
  • Sie waren klug, mutig, streitbar und eigenwillig.
  • Sie gehörten 1984 zu den Mitbegründerinnen der „Grauen Panther Göttingen“.

Eva Meurer und Brigitte Richter verband eine enge Freundschaft, die ihren Ursprung hatte in ihrer gemeinsamen Arbeit in Tiefenbrunn in den 1940-er Jahren. Ihre danach lebenslange Freundschaft ging mit der Gründung der Eva Meurer Stiftung über ihren Tod hinaus.

Beide Frauen gehörten zu den „Bewohnerinnen der ersten Stunde“, als am 1. Januar 1994 das Haus am Goldgraben bezogen wurde. Eva Meurer war damals 84 Jahre, Brigitte Richter 82 Jahre alt. Beiden aber war es nicht vergönnt, die Früchte ihres großen Engagements rund um die innere und äußere Ausgestaltung des Hauses lange in der praktischen „Erprobungsphase“ zu erleben Schon nach etwas mehr als 1 Jahr starb Eva Meurer. Sie hatte ihrer Freundin Brigitte Richter als Vermächtnis hinterlassen, einen Teil ihres Vermögens in eine Stiftung einzubringen, die der Förderung „Alternativer Wohnformen“ gewidmet werden sollte, um ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Brigitte Richter starb nur gut 2 Jahre später. Sie hatte das Vermächtnis ihrer Freundin erfüllt und die Eva Meurer Stiftung gegründet. Sie brachte einen gleich großen Teil ihres eigenen Nachlasses in die Stiftung ein.

Dr. Brigitte Richter war die allererste Vorsitzende der Stiftung. Sie hat die Ausgestaltung der Satzung weitestgehend geprägt. 

Hauptanliegen waren und sind: 

  • Die Entwicklung und Förderung neuer Wohnformen des Zusammenlebens
  • Die Förderung der Bestrebungen älterer Menschen, sich gegenseitige Hilfen aufzubauen und damit ihre Kompetenzen zu erweitern
  • Sich ein selbstbestimmtes Leben zu erhalten
  • Die Verständigung zwischen den Generationen
  • In allem sollten insbesondere die in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligten älteren Frauen berücksichtigt werden

Diesem Anliegen entsprechend sind die von der EMS geförderten Projekte ausgerichtet.

Altengerechte, barrierefreie Bauvorhaben, auch für Demenzerkrankte gehörten ebenso dazu wie die Unterstützung von Bildungsinitiativen für ältere Menschen, fast immer in Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern.

Über die zu fördernden Projekte entscheidet ein Kuratorium aus 5 Personen, von denen die Mehrheit Frauen sein müssen, sowie – gemäß Satzung – die Vorsitzende eine Frau. Den Stifterinnen war es ein Anliegen, dass alle Entscheidungen mehrheitlich von Frauen getragen werden.

Die meisten geförderten Projekte gehörten zum näheren Umfeld der Freien Altenarbeit e.V., ist sie doch nicht nur die Heimat der Stifterinnen und der Ausgangspunkt der Stiftung, sondern dieser gemeinnützige Verein steht allen bisherigen KuratorInnen nahe.

In den 20 Jahren seit Gründung der Stiftung waren alle bisherigen Vorsitzenden aus dem Umfeld der FAG:

  • Dr. Brigitte Richter – Gründerin
  • Dr. Barbara Leuner – Bewohnerin der 1. Stunde
    (wie auch Eva Meurer und Brigitte Richter)
  • Irina Klaer – Bewohnerin der Alten-WG
  • Gunna Sprung – langjähriges Mitglied der FAG und Mitglied im Kuratorium seit Gründung
    (Sie wurde noch von Brigitte Richter ins Kuratorium berufen.)
  • Christiane Scholz-Muntschick – Bewohnerin der Alten-WG
  • Ute Schmidthals – langjähriges Mitglied der FAG

Es sollen hier exemplarisch 3 Projekte kurz beschrieben werden:

  1. Aus dem Jahr 2000 Astrid Osterland: „Nicht allein und nicht ins Heim" eine wissenschaftliche Auswertung des Pilotprojektes „Alten-WG“
  2. Aus dem Jahr 2010 Die Entwicklung eines Pflegekonzeptes für die Göttinger Alten-WG geleitet von Silke Inselmann
  3. Seit dem Jahr 2014 – "Trug & Schein" – im Rahmen des Zeitzeugenprojektes der FAG

Die ersten beiden Projekte beleuchten aus unterschiedlicher Sichtweise und Wahrnehmung den Alltag in dieser besonderen Wohngemeinschaft.

Zu 1. Astrid Osterland beschreibt die Entstehungsgeschichte, das Zusammenwachsen und Zusammenleben in dieser WG mit allen zwischenmenschlichen Potenzialen auch aber Konflikten, im Jahr 2000 die Erfahrungen der ersten Jahre seit 1994 beleuchtend. Sie beschreibt bereichernde und die geistige wie körperliche Leistungsfähige bewahrende Synergien zwischen den Bewohnerinnen. Es werden aber auch Konfliktursachen benannt, die mehrfach zu Ein- und Auszügen geführt hatten, was ein finanzielles Risiko für Bewohnerinnen wie auch für den Trägerverein ist.

Zu 2. Silke Inselmann untersucht 10 Jahre später, also nach 16-jähriger „Erprobungsphase“ das zentrale Anliegen der Stiftung UND der Alten-WG, wie Bedingungen geschaffen werden können, die es den Bewohnerinnen von Alten-Wohnprojekten erlauben, bis zu ihrem Sterben in der vertrauten Umgebung mit vertrauten Menschen leben zu können.

Mir ist durchaus bewusst, dass der gewählte Begriff „Pflegekonzept“ nicht dem dokumentierten Ergebnis entspricht, weil es sich nicht um ein Konzept für Pflege handelt. Die Untersuchung setzt sich jedoch mit der Problematik auseinander, dass schwächer oder pflegebedürftig werdende Bewohnerinnen oder solche von Demenz betroffene schnell an ihre eigenen Grenzen gelangen, was als Folge davon die Belastbarkeit auch der übrigen Bewohnerinnen sprengen kann. Selbstorganisation führt in zunehmendem Alter leicht zur Überforderung. Um die Balance auf diesem schmalen Grat bewahren zu können, möglichst lange oder sogar bis zum Sterben, dazu hat die Untersuchung Ressourcen gesucht und Möglichkeiten aufgezeigt, auch aber die Grenzen nicht außer Acht gelassen.

Zu 3. Bei dem Projekt "Trug & Schein“ handelt es sich um einen außergewöhnlichen, teilweise in Sütterlin bzw. deutscher Kurrentschrift verfassten Briefwechsel eines jungen Paares aus der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1938 und 1946. Es sind insgesamt etwa 4000 Briefe, die in verschiedenen Medienformaten einer breiten Öffentlichkeit sukzessiv präsentiert werden als kritische Begegnung mit dem Alltag des Zweiten Weltkriegs. Studierende der Georg August Universität arbeiten gemeinsam mit Seniorinnen. Zwischen den Mitgliedern der Gruppe bestehen bis zu 60 Jahre Altersunterschied. Alt und Jung ergänzen sich in ihren speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten. U.a. finden die Jungen Antworten auf ihre Fragen zum Alltag des 3. Reiches bei den Alten, die Alten profitieren von den Medienfertigkeiten der Jungen.

Mit diesem Projekt knüpfen wir an Überzeugungen der Stifterinnen – Eva Meurer und Brigitte Richter – an, die eine sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung als grundlegend ansahen für eine positive gesamtgesellschaftliche Entwicklung.

 

Jetzt noch ein Wort zur Situation der Stiftung:

Wir können nur fördern aus Erträgen des Stiftungskapitals. Gemäß Stiftungsrecht muss das Stiftungskapital zwingend erhalten bleiben, es kann also lediglich über die Zinserträge verfügt werden. Es ist kein Geheimnis, wie sich die Zinserträge in den letzten Jahren entwickelt haben. Sogar eine Entwicklung in Richtung Negativzinsen steht zu befürchten. Schon seit geraumer Zeit ist unsere Handlungsfähigkeit wegen fehlender Mittel erheblich eingeschränkt.

Wenn wir weiterhin unserem satzungsgemäßen Stiftungszweck genügen wollen, sind wir auf Unterstützung von außen angewiesen. Was heißt, wir brauchen Unterstützung mit Spenden oder Zustiftungen oder auch Vermächtnissen aus Erbschaften. Allesamt sind steuerbegünstigt oder steuerbefreit.

„Fundraising“ ist ein wesentlicher Begriff in allen Stiftungen. Hier gilt es auch für uns anzusetzen.

An dieser Stelle möchte ich einen Begriff wiederbeleben, der Dr. Brigitte Richter am Herzen lag: 

Sie wollte einen der Stiftung nahe stehenden „Freundeskreis“ etabliert wissen, der in bestimmten Bereichen die Kuratoriumsmitglieder berät und unterstützt.

Auch in ihrem Sinne wären wir dankbar für jede oder jeden, der z.B. Interesse im Bereich Öffentlichkeitsarbeit hat, der oder die keine Scheu hat, sich in öffentlichen Institutionen und Gremien zu bewegen, die oder der Verbindungen zu Unternehmen hat oder solche anzubahnen vermag. Wir würden uns über jede unterstützende Mitarbeit freuen.

 

Am 28. Oktober 2016 

Ute Schmidthals

Archiv:

Mehr Sicherheit und Lebensqualität durch Pflegekonzept

Meilenstein für Göttinger Alten-WG 

Mit tatkräftiger Unterstützung der Göttinger Eva-Meurer-Stiftung ist es gelungen, ein neues Pflegekonzept für die Alten-WG Am Goldgraben auf den Weg zu bringen...

Neues Pflegekonzept
PM_Pflegekonzept.pdf
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Eva Meurer Stiftung wählt Beirat

Fachkompetenz und AnsprechpartnerInnen aus den
verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen in die Arbeit einbinden.

Beirat EMS.pdf
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Förderung alternativer Wohn- und Lebensformen im Alter sichern

Freie Altenarbeit und Eva Meurer Stiftung vereinbaren engere Zusammenarbeit.

Kooperation.pdf
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Neues Kuratorium gewählt

Seit dem 1. April 2005 setzt sich das Kuratorium aus der Vorsitzenden Irina Klaer, ihrem Stellvertreter und Geschäftsführer Axel Brenneke sowie den weiteren Kuratoriumsmitgliedern Gunna Sprung, Christiane Pröhl und Heribert Flock zusammen.

Personalien.pdf
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Es kommt nicht darauf an, wie ALT man wird, sondern WIE man alt wird. 

(Werner Mitsch)

Aktuelles

 

20 Jahre Eva Meurer Stiftung

Am 28.Oktober 2016 haben wir unser 20-jähriges Jubiläum gemeinsam mit der Freien Altenarbeit Göttingen e.V. (FAG) gefeiert, die 30 Jahre alt wurde: Zwei Institutionen in sich ergänzender Zusammenarbeit von Anfang an. Pressemitteilung

 

Weitere Informationen zum Download über die Eva Meurer Stiftung zur Förderung neuer Lebensformen im Alter und ihre Projekte.

 

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